09.11.2016 16:31:41

Börse Frankfurt-News: Orientierungsphase (Zertifikate-Trends)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 9. November 2016. Mit dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahl wurde so mancher Zertifikate-Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Zum Teil werden die Karten neu gemischt.

Nach dem ersten Schock über den Sieg Donald Trumps wirken die ersten Worte des künftigen US-Präsidenten auf Anleger offenbar versöhnlich. Die anfänglichen DAX-Verluste von gut 4 Prozent haben sich binnen kürzester Zeit wieder abgeschwächt. Am Mittag notiert der deutsche Bluechip-Index rund 1 Prozent im Minus.

Diese Kurve spiegelt laut Händler das Geschäft mit Zertifikaten wider. "In den ersten 30 Sekunden nach Handelsstart um 8.00 Uhr hatten wir 6.000 Trades", meldet Anouch Wilhelms. In der frühen heißen Phase an den Kapitalmärkten komme die Commerzbank auf rund 70.000 Zertifikate-Transaktionen. "Viele Anleger hatten sich im Vorfeld der Wahlentscheidung positioniert und am Morgen auf die realen Gegebenheiten reagiert." Mittlerweile bewege sich der Handel wieder in ruhigerem Fahrwasser.

Eine eindeutige Tendenz erkennt Wilhelms mit Blick auf die heutige "Pre-Trump-Statistik" nicht. "Trading-Produkte wurden in beide Richtungen gehandelt." Häufig zum Zuge gekommen sei beispielsweise ein inverses Faktor-Zertifikat auf den DAX (WKN CD6UFL) mit einem Hebel von 15, das von fallenden Kursen profitiert.

Gleichzeitig komme ein Derivat auf den deutschen Aktienindex (WKN CE27NA) mit Fälligkeit am 17. November diesen Jahres vielfach zum Tragen, das eine Rückzahlung nur oberhalb von 9.500 DAX-Punkten vorsieht. Angerechnet würden bei letzerem Kurse bis höchstens 10.000 Punkte bzw. 5 Euro. "Diese Käufer setzen klar darauf, dass sich der DAX hält."

DAX-Werte gehören auch bei der ICF Bank zu den beliebtesten Produkten. Stellvertretend nennt Manuel Tulezi ein auf beiden Seiten stark gesuchtes Knock-out-Produkt auf den DAX (WKN DGH3DE).

Bei Öl scheiden sich die Geister

Bereits in den vergangenen Wochen hätten Investoren zunehmend die US-Wahlen auf dem Radar gehabt. Auf den DAX (WKN CD2JKY) als beliebtester Basiswert folge bei der Commerzbank Öl. Vermutlich mit einem Sieg des Republikaners gerechnet hätten Käufer eines Turbo-Zertifikats auf das US-amerikanische WTI (WKN CN8MXQ) mit einer Knock-out-Schwelle von 55,86 US-Dollar. "Donald Trump plant eine Rückbesinnung auf fossile Energien", begründet Wilhelms. Damit einher ginge voraussichtlich eine stärkere Energiegewinnung mittels Fracking, was den Ölpreis unter Druck setzen könne. Hingegen erwarteten Käufer eines Brent-Zertifikates (WKN DR1V8Y) steigende Notierungen beim schwarzen Gold.

Auch Tulezi spricht von großem Interesse an Ölprodukten. Rege auf beiden Seiten gehandelt worden sei beispielsweise ein zwölffach gehebelter Knock-out-Wert auf Brent (WKN VN3MYN).

Auf das Wahlergebnis reagierten die Ölpreise zunächst mit deutlichen Abschlägen. Das Nordseeöl Brent fiel mit 44,4 US-Dollar pro Barrel zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit drei Monaten und WTI markierte mit 43 US-Dollar ein Sieben-Wochen-Tief, wie Eugen Weinberg von der Commerzbank zusammenfasst. Die laut US-Energiebehörde EIA und American Petroleum Institute nach wie vor reichlich versorgten Märkte spielten dabei vermutlich eine eher untergeordnete Rolle. Mittlerweile konnten die Ölpreise einen Teil der Verluste wieder wettmachen.

Optimistisch für Gold

Größere Ausschläge bei Gold hat die Nachfrage nach entsprechenden Derivaten geschürt, wie die Händler einhellig anmerken. Auf Monatssicht hat Gold von 1.240 auf 1.302 US-Dollar pro Feinunze zugelegt, seit gestern verteuerte sich das gelbe Edelmetall um 2,4 Prozent. Kunden der BNP Paribas hätten sich unter anderem mit einem zwölffach gehebelten Knock-out-Produkt (WKN PB6H8W) entsprechend positioniert, das bei Erreichen oder Unterschreiten der Schwelle von 1.200 US-Dollar pro Feinunze verfällt. Bullish positionierten sich auch Käufer eines beliebten 13-fach gehebelten Gold-Zertifikats (WKN CD2TTX), wie Wilhelms informiert. Ein Optionsschein, der unterhalb einer Schwelle von 1.100 US-Dollar (WKN CD75SF) verfällt, sei bei Anlegern ebenfalls gut angekommen.

Richtung offen für US-Indizes

Ein gemischtes Bild zeichnet Glaser von den Erwartungen hinsichtlich der führenden US-Indizes. Einerseits erhofften sich Käufer der gern gehandelten Nasdaq 100- (WKN PB9TQH) und Dow Jones Industrial-Zertifikate (WKN PB6611) steigende Notierungen. Auf der anderen Seite rechneten Anleger damit, überproportional von einem fallenden S&P 500 (WKN PA7EB7) zu profitieren.

Anleger sehen stärkere Gemeinschaftswährung

Das Währungspaar Euro gegenüber dem US-Dollar gehörten bei den Kunden der BNP Paribas zu den beliebtesten Underlyings der vergangenen Wochen. "Insbesondere im Zuge der vorübergehenden Trump-Stärke im Vorfeld der Wahl erhofften sich Anleger überproportional von einem steigenden Euro zu profitieren (WKN CS1LET)", beobachtet Christian Glaser.

von: Iris Merker

9. November 2016, Sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden. Registrieren Sie sich bei www.boerse-frankfurt.de/newsletter

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