13.11.2012 15:57:35

UPDATE: Lufthansa-Flugbegleiter erhalten Jobgarantie und mehr Geld

   -- Stewards und Stewardessen bekommen mehr Gehalt

   -- Neue Mitarbeiter müssen allerdings mit weniger Geld auskommen

   -- Lufthansa-Flugbegleiter können ohne Lohneinbußen zu Germanwings wechseln

   -- Lufthansa verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen und Leiharbeiter

   -- Streikgefahr fast gebannt - Gewerkschaft Ufo erwartet Zustimmung der Mitglieder

   (NEU: Schlichter, Lufthansa, Gewerkschaft Ufo)

   Von Kirsten Bienk

   Fluggäste der Lufthansa können aufatmen. Der schwierige Tarifkonflikt von Deutschlands größter Airline mit ihren 18.000 Stewards und Stewardessen ist gelöst. Ein klarer Sieger geht aus den langwierigen Verhandlungen nicht hervor. Zwar konnte die Lufthansa das starre Tarifgefüge aufbrechen. Allerdings bekommen die Kabinenmitarbeiter teilweise deutlich mehr Gehalt - und eine Jobgarantie oben drauf.

   Freuen werden sich in jedem Fall die leidgeplagten Passagiere von Deutschlands größter Airline. Nach heftigen Streiks der Kabinenmitarbeiter gegen Ende der Sommerferien wird es in der Vorweihnachtszeit keine Arbeitskämpfe geben.

   Mit der Einigung, die der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup in die Wege leitete, muss die Lufthansa zunächst einmal tief in die Tasche greifen. Die Löhne steigen im kommenden Jahr in der Summe um 4,6 Prozent. Neben höheren Grundgehältern, die zwischen 6 und 18 Prozent angehoben werden, erhalten zudem alle Mitarbeiter eine Einmalzahlung von 320 Euro. Der Vertrag läuft über zwei Jahre.

   Die Gewerkschaft hatte dagegen eine Laufzeit von nur einem Jahr und einen Anstieg der Gehälter um 5 Prozent gefordert. Einen Punktsieg konnten die Kabinenmitarbeiter aber beim Kündigungsschutz erreichen: Bis Ende 2014 wird es keinen Jobabbau aus betriebsbedingten Gründen geben. Auf den Einsatz von Leiharbeit verzichtet die Lufthansa bis Ende 2016. Zudem werden Flugbegleiter, die zu Germanwings wechseln, auch weiterhin nach den Konditionen der Lufthansa bezahlt - für sie gibt es keine Gehaltseinbußen.

   Über diesen Punkt hatten die Streithähne in den vergangenen Wochen hart verhandelt. Lufthansa muss die Kosten senken und wird deswegen ab dem kommenden Jahr viele Direktflüge nur noch mit der günstigeren Germanwings anbieten. Da die Lufthansa deswegen weniger fliegt, werden bei ihr 1.200 Mitarbeiter überflüssig. Entsprechend hatten viele Stewards und Stewardessen die Befürchtung, bei einem Wechsel weniger zu verdienen.

   Die Lufthansa kann aber in einem anderen, wichtigen Punkt einen klaren Sieg verbuchen. Das starre Tarifgefüge der Kabinenmitarbeiter wird aufgebrochen: Neue Mitarbeiter erhalten künftig zwar zunächst anfangs mehr Geld als bisher. Allerdings werden die Gehälter dann langsamer steigen als bisher.

   "Mit einer neuen Tabelle (...) wurde eine wichtige Grundlage für die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze in der Kabine und der Wettbewerbsfähigkeit der Lufthansa umgesetzt", zeigte sich die Airline zufrieden.

   Zudem rang Lufthansa der Gewerkschaft ein flexibleres Jahresarbeitszeitmodell ab. Saisonale Schwankungen sollen damit besser ausgeglichen werden. Schwächelt die Nachfrage nach Flugreisen, kann Lufthansa Arbeitszeiten und Gehälter für einen befristeten Zeitraum um bis zu 5 Prozent reduzieren.

   Die Kosten für den neuen Tarifvertrag bezifferte Lufthansa-Personalvorstand Peter Gerber für 2013 auf 33 Millionen Euro. Allerdings seien hierin positive Effekte wie die flexiblere Arbeitszeiten oder die neue Tarifstruktur nicht enthalten.

   Obwohl sich Lufthansa und die Gewerkschaft Ufo auf den neuen Tarifvertrag geeinigt haben, ist die Streikgefahr noch nicht endgültig vom Tisch. Die Gewerkschaft will sich erst noch die Rückendeckung ihrer Mitglieder holen und sie über den Kompromiss abstimmen lassen. Spätestens Mitte Dezember dürfte diese Urabstimmung beendet sein.

   Ufo-Chef Nicoley Baublies zeigte sich zuversichtlich, dass die Mehrheit der Flugbegleiter seine Einstellung teilt. Für ihn ist der Vorschlag des ehemaligen Wirtschaftsweisen trotz der Zugeständnisse ein "gangbarer Weg", auch wenn die Gehaltserhöhungen nicht ganz so hoch ausgefallen sind wie geplant.

   Schlichter Rürup zeigte sich zufrieden: "Die Empfehlung ist weit mehr als ein kurzfristiger Kompromiss, sondern eine langfristige und ausgewogene Strukturreform", sagte er. "Sie macht die Lufthansa dauerhaft wettbewerbsfähig, ist gleichzeitig in hohem Maße sozial ausgewogen und bietet dem fliegenden Personal ein hohes Maß an Zukunftssicherheit."

   Rürup hatte in dem Streit keine leichte Aufgabe. Die Tarifpartner hatten bereits seit 15 Monaten nach einem gemeinsamen Nenner gesucht. Selbst drei Streiktage mit heftigen Flugausfällen brachte die Kontrahenten einander nicht näher. Lufthansa büßte seinerzeit 33 Millionen Euro beim Betriebsergebnis ein.

   Deutschlands größte Airline steht seit einiger Zeit verstärkt unter Druck und hat deswegen ein weitreichendes Sparprogramm aufgesetzt. Bis zum Jahr 2015 soll das Betriebsergebnis um rund 1,5 Milliarden Euro verbessert werden. Dazu sollen zwar alle Sparten des Konzerns beitragen, Lufthansa Passage aber den Löwenanteil. Mit der nun erreichten Einigung würden die Kabinenmitarbeiter ihren Beitrag zum Sparprogramm leisten, so die Lufthansa.

   Lufthansa leidet wie viele andere Airlines besonders unter hohen Treibstoffkosten. Der harte Wettbewerb durch Billigflieger und Airlines aus den Golfstaaten macht es aber unmöglich, diese Belastungen vollständig auf die Ticketpreise umzulegen und so kostendeckend zu fliegen. Als Ausweg rufen viele Fluggesellschaften umfangreiche Sparprogramme aus, die auch Stellenstreichungen beinhalten.

   Auch die Lufthansa hatte im Zuge ihres Sparprogramms schon einen Stellenabbau angekündigt. 3.500 Jobs sollten im Verwaltungsbereich wegfallen.

   Kontakt zur Autorin: kirsten.bienk@dowjones.com

   DJG/kib/kla/jhe

   (Mehr zu diesem Thema und weitere Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf www.WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

   (END) Dow Jones Newswires

   November 13, 2012 09:26 ET (14:26 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 09 26 AM EST 11-13-12

JETZT DEVISEN-CFDS MIT BIS ZU HEBEL 30 HANDELN
Handeln Sie Devisen-CFDs mit kleinen Spreads. Mit nur 100 € können Sie mit der Wirkung von 3.000 Euro Kapital handeln.
82% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

Analysen zu Lufthansa AGmehr Analysen

13.02.25 Lufthansa Outperform Bernstein Research
12.02.25 Lufthansa Neutral Goldman Sachs Group Inc.
12.02.25 Lufthansa Outperform Bernstein Research
20.01.25 Lufthansa Market-Perform Bernstein Research
16.01.25 Lufthansa Market-Perform Bernstein Research
Eintrag hinzufügen
Hinweis: Sie möchten dieses Wertpapier günstig handeln? Sparen Sie sich unnötige Gebühren! Bei finanzen.net Brokerage handeln Sie Ihre Wertpapiere für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade? Hier informieren!
Es ist ein Fehler aufgetreten!

Aktien in diesem Artikel

Lufthansa AG 6,76 1,56% Lufthansa AG

Indizes in diesem Artikel

DAX 22 794,11 1,71%
Prime All Share 8 808,16 1,69%
HDAX 11 868,88 1,75%
CDAX 1 947,02 1,67%
EURO STOXX 565,44 1,40%