23.09.2015 20:39:39

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Börsen-Zeitung: Totalschaden, Kommentar zum Winterkorn-Rücktritt bei

VW von Peter Olsen

Frankfurt (ots) - Es ist vollbracht. Noch nicht so ganz, aber doch

erkennbar. Der Rest der Krisenbewältigung folgt am Freitag, wenn der

Aufsichtsrat von Volkswagen zusammenkommt: Martin Winterkorn, der

68-jährige VW-Konzernlenker, bis vor wenigen Tagen in seiner Funktion

im Grunde alternativlos, hatte letztlich keine Alternative. Er musste

die persönliche Verantwortung für das Abgasdebakel um

VW-Dieselmotoren übernehmen und seinen Rücktritt verkünden. Wie

überfällig dieser Schritt war, zeigt gerade die Nichtreaktion der

VW-Aktien an der Börse.

Nach dem Führungsstreit im Frühjahr, den der damalige

Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch mit den Worten "ich bin auf

Distanz zu Winterkorn" auslöste und verlor, und der erst kürzlich

verkündeten Absicht des Aufsichtsrats, Winterkorns 2016 endenden

Vertrag um zwei Jahre zu verlängern, stehen die Verantwortlichen in

Wolfsburg jetzt vor einem Totalschaden.

Noch zu Wochenbeginn wurden Berichte, Winterkorn stünde vor dem

Rücktritt, als "Schwachsinn" abgetan. Dass der Manager nun erklärt,

er übernehme die Verantwortung, "obwohl ich mir keines Fehlverhaltens

bewusst bin", ist ein Beleg dafür, wie stark Winterkorn gedrängt

werden musste, den Weg für einen Neuanfang bei Volkswagen

freizumachen. Seine Verdienste um den Konzern sind hinlänglich

bekannt. Aber woher nimmt das Präsidium des Aufsichtsrats in seiner

Erklärung schon jetzt die Gewissheit, dass Winterkorn "keine Kenntnis

hatte von der Manipulation von Abgaswerten?"

Fest steht im Moment nur, dass der Neuanfang bei Volkswagen, den

Winterkorn mit einer gewissen Dezentralisierung von Verantwortung

noch selbst steuern wollte, nun auch unausweichlich mit weiteren

personellen Konsequenzen verbunden sein wird. Am Freitag muss ein

neuer Vorstandschef her. Man darf gespannt sein, ob tatsächlich der

bisherige Porsche-Chef Matthias Müller, wie schon kolportiert, auf

den Schild gehoben wird.

Dabei kann und wird es nicht bleiben. Nicht im Vorstand und nicht

in anderen Managementebenen, denn Volkswagen selbst will angesichts

des "unermesslichen Schadens" aus dem Diesel-Debakel Strafanzeige

stellen. Und es bleibt noch mehr zu tun. Denn hinsichtlich der

Grundsätze guter Corporate Governance hat sich Volkswagen - dank der

dominanten Stellung der Mehrheitseigner Porsche und Piëch sowie des

Einflusses des weiteren Großaktionärs Niedersachsen - alles andere

als vorbildlich verhalten.

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