Dank Kreditwachstum |
28.02.2025 17:53:00
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Erste Group-Aktie stürzt dennoch ab: Erste Group macht mehr Gewinn
"Die Ertragsanteile haben sich verschoben", so Bosek. Die CEE-Region trug im Vorjahr 66 Prozent zum Nettogewinn der Bank bei, im Jahr 2023 waren es erst 57 Prozent. Neben Österreich zählen vor allem Tschechien, Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien zu den Kernmärkten der Erste Group. Die Stärke der Region sei vor allem auf das dynamischere Wirtschaftswachstum zurückzuführen. Auch für die kommenden Jahre sieht der Bankchef viel Potenzial für die Region. "Wir glauben, dass Osteuropa für die nächsten Jahre sehr gut aufgestellt ist", so Bosek. In Österreich sei zwar das Finanzvermögen auf einem Höhepunkt, in Osteuropa gebe es aber im Einklang mit der dynamischeren Wirtschaft einen stärkeren "Leistungsgedanken". Für 2025 erwartet die Bank ein Wachstum von durchschnittlich 2,6 Prozent für ihre CEE-Märkte.
CEE-Region trägt maßgeblich zum Kreditwachstum bei
Die bessere Wirtschaftslage kurbelt auch das Kreditgeschäft in Osteuropa an. Insgesamt stieg das Kundenkreditvolumen um 4,9 Prozent auf 218,1 Mrd. Euro, das Wachstum sei maßgeblich von den CEE-Ländern getragen worden. Eine stärkere Nachfrage habe es unter anderem in Kroatien, Tschechien und Rumänien gegeben. In Österreich bremse dagegen die Wirtschaftsentwicklung, der heuer das dritte Rezessionsjahr bevorsteht, das Geschäft. In den CEE-Ländern seien die Menschen mehr bereit zu konsumieren und Kredite aufzunehmen, während in Österreich die Sparquote sehr hoch sei, sagte Bosek.
Die Dynamik im Kreditgeschäft sei gruppenweit bei den Privatkunden (Wachstum 2024 um 5,7 Prozent) stärker als bei den Unternehmenskrediten (plus 4,7 Prozent). Bei den Firmenkrediten fehle es an der Nachfrage im KMU-Bereich. In Österreich habe sich der Kreditmarkt vor allem im vierten Quartal belebt, unter anderem im Bereich der Wohnbaukredite. Grund dafür sei vor allem das niedrigere Zinsniveau, so Bosek. Der KIM-Verordnung, die Mitte des Jahres ausläuft und den Instituten Vorgaben für die Vergabe von Wohnkrediten macht, misst Bosek dagegen nicht so viel Bedeutung bei. Die erst am Mittwoch vom Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) vorgeschlagenen Leitlinien, die nach dem Auslaufen der Verordnung gelten sollen, entsprächen im Grunde den Vorgaben der KIM-VO.
Das Wachstum bei den Einnahmen der Bank sei jedenfalls stark von der Osteuropa-Region getrieben gewesen, sagte auch Finanzchef Stefan Dörfler. Die Zugewinne beim Zinsüberschuss seien ausschließlich auf die CEE-Märkte zurückzuführen gewesen. Gruppenweit legte der Zinsüberschuss wegen des besseren Kreditgeschäfts und wegen sinkender Zinsaufwendungen um 4,2 Prozent auf 7,5 Mrd. Euro zu, der Provisionsüberschuss erhöhte sich um 11,3 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro.
Risikolage in Osteuropa erstmals besser als in Österreich
Osteuropa schlug sich auch im Hinblick auf die Risikolage besser als Österreich. "Wir sehen zum ersten Mal, dass CEE deutlich besser performt als Österreich", sagte Risikovorständin Alexandra Habeler-Drabek. In der Region seien nahezu keine Risikokosten gebucht worden, die heurigen Zuwächse seien fast ausschließlich aus Österreich gekommen. Im Vorjahr haben sich die Risikokosten (Wertminderung von Finanzinstrumenten) von 128 Mio. Euro bzw. 6 Basispunkten des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands auf 397 Mio. Euro bzw. 18 Basispunkte verdreifacht. Auch die Quote notleidender Kredite (non-performing loans/NPL) erhöhte sich von 2,3 auf 2,6 Prozent. Verantwortlich dafür seien zu einem Großteil Ausfälle im gewerblichen Wohnbau in Österreich gewesen, während die Kreditqualität in den osteuropäischen Ländern sehr gut sei.
Das Plus bei der NPL-Quote sei im Rahmen der Erwartungen, ebenso sei das Niveau der Risikokosten nach wie vor auf einem niedrigen Niveau, betonte die Risikochefin. Auch die gesunkene NPL-Deckungsquote von 85,1 Prozent auf 72,5 Prozent bereitet der Bank keine Sorgen.
2025 weiteres Wachstum erwartet
Für das laufende Jahr 2025 rechnet der Erste-Group-Vorstand mit weiterem Wachstum. Die Bank rechnet damit, dass das wirtschaftliche Umfeld in ihren Kernmärkten robust bleibt und sich gegenüber dem Vorjahr sogar leicht verbessert. Sowohl bei den Privat- als auch bei Firmenkunden wird ein weiteres Kreditwachstum gesehen, insgesamt wird ein Plus von rund 5 Prozent angepeilt. Die Eigenkapitalverzinsung (ROTE) wird mit etwa 15 Prozent prognostiziert. Das Betriebsergebnis wird für 2025 stabil erwartet und die Risikokosten dürften etwas zulegen - bis auf etwa 25 Basispunkte. Die Kreditqualität solle jedoch in der CEE-Region hoch bleiben, während in Österreich mit einer moderaten Verschlechterung gerechnet wird.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2024 will die Bank eine Dividende in Höhe von 41,2 Prozent des bereinigten Gewinns ausschütten, das entspricht einer Dividende pro Aktie von 3,0 Euro. Zudem ist ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 23,7 Prozent des bereinigten Gewinns geplant. Die Aktionäre zeigten sich nach der Zahlenvorlage wenig beeindruckt. Die Erste-Group-Aktie verlor am Freitagnachmittag an der Wiener Börse knapp 6 Prozent. Es habe am Markt unter anderem höhere Erwartungen zum Aktienrückkauf gegeben, sagte Bosek.
Regierungsprogramm - Erste-Group-Chef "kein Fan" von Bankenabgabe
Die zuletzt viel diskutierte Erhöhung der Bankensteuer, die nun auch im Programm der schwarz-rot-pinken Regierung verankert wurde, sorgt bei der Erste Group nicht für Freude. "Ich bin kein Fan von Bankensteuern", sagte Bankchef Peter Bosek am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz. Es sei eine "politische Entscheidung zwischen einer Bankensteuer und einem Wirtschaftsaufschwung", die nun zu Ungunsten der Banken ausgefallen ist. "Wir finden das sehr schade", so Bosek.
Die Möglichkeiten für Finanzierungen würden durch solche Maßnahmen stark eingeschränkt, so der Bankchef weiter. Man müsse die Entscheidung aber zur Kenntnis nehmen. Wie hoch die Steuer genau sein werde, sei noch nicht klar, da es auch noch keine genauen Vorgaben außerhalb der kurzen Beschreibung im Regierungsprogramm gebe. Nach einer ersten, groben Schätzung kommt Bosek auf etwa 140 bis 160 Mio. Euro für dieses und das nächste Jahr.
Genaue Ausgestaltung der Abgabe noch unklar
Die künftige schwarz-rot-pinke Regierung sieht in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Regierungsprogramm für die gesamte Branche eine Bankenabgabe für 2025 und 2026 von je 500 Mio. Euro vor. Danach soll die Abgabe auf 200 Mio. Euro sinken. Schon jetzt zahlt die Erste Group in Österreich, Rumänien und der Slowakei eine Bankensteuer. Während in Österreich im Vorjahr 40 Mio. Euro dafür anfielen (2023: 46 Mio. Euro), waren es in Rumänien 37 Mio. Euro und in der Slowakei 103 Mio. Euro. In Österreich dürfte die Steuer nun empfindlich ansteigen.
Nach der Bekanntgabe des Regierungsprogramms gab es auch von anderen Bankern Kritik. Der Raiffeisenverband kritisierte die Steuer als "reine Willkür" und als Wachstumsbremse für Österreich, das sich bereits im dritten Rezessionsjahr befindet. Auch die Wirtschaftskammer (WKÖ) kritisierte die Erhöhung der Abgabe als "willkürliche Wirtschaftsstandortsteuer" und wies auf negative Auswirkungen auf die Wirtschaft hin.
An der Börse in Wien ging es für die Aktien der Erste Group am Freitag letztlich um 6,75 Prozent abwärts auf 64,64 Euro.
(APA)
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