19.06.2015 16:23:44

WOCHENAUSBLICK: Bei 'Deal' mit Athen könnten Anleger glimpflich davonkommen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die neue Woche an der Börse wird wohl ganz im Zeichen des nahenden Showdowns im griechischen Schuldendrama stehen. Am Montag soll ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen über einen Ausweg aus der Krise bringen. Die Finanzminister der Eurozone wollen noch vor diesem Griechenland-Gipfel erneut beraten.

Anleger werden deshalb gespannt auf Neuigkeiten aus Brüssel warten, die jederzeit für Turbulenzen an den Märkten sorgen können. Bislang überwiegt bei den Experten weiterhin ein leichter Optimismus - auch wenn sich im Streit zwischen Athen und seinen Geldgebern immer noch keine Lösung abzeichnet.

HELABA: 'HÄNGEPARTIE' WAHRSCHEINLICH - COBA: IWF-ZAHLUNGEN AUF DER KIPPE

Viele Marktbeobachter gehen von einem - wie auch immer gearteten - "Deal" aus, bei dem sich die negativen Auswirkungen auf den Aktienmarkt in Grenzen halten könnten. So ist für Analyst Christian Apelt von der Landesbank Helaba das Szenario einer "Hängepartie" am wahrscheinlichsten. In diesem Fall würde Griechenland weiter den Reformkurs verweigern, aber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, so dass die Verhandlungen fortgesetzt werden. Auf Seiten der Gläubiger könnten die ursprünglich vereinbarten Reformen aufgeweicht werden.

Den Experten der Commerzbank zufolge ist es zwar auch möglich, dass Griechenland Ende Juni ohne ein Hilfsprogramm dasteht. Ohne frisches Geld werde die griechische Regierung die dann fällig werdenden Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von rund anderthalb Milliarden Euro vermutlich nicht leisten können. Allerdings hätten die großen Ratingagenturen bereits erklärt, dass sie die Bonitätsnote Griechenlands im Falle eines Zahlungsausfalls gegenüber dem IWF nicht auf "Kreditausfall" herabstufen werden. Für sie komme es nur auf Griechenlands Fähigkeit an, die von privaten Gläubigern gehaltenen Staatsanleihen zu bedienen.

RISIKO KAPITALVERKEHRSKONTROLLEN

Vor diesem Hintergrund bewerten die Experten der Commerzbank die Perspektiven für den deutschen Aktienmarkt unverändert positiv, zumal die Gewinnerwartungen an die Dax-Unternehmen deutlich stark gestiegen seien. Auch die weiterhin expansive Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken sollte die Kurse stützen.

Doch Zweifel bleiben: "Wir müssen eingestehen, dass es zunehmend schwerer wird, die Verhandlungslage zwischen Griechenland und den Gläubigern objektiv einzuschätzen", schrieb Sascha Rehbein, Marktexperte der Weberbank. Zudem werde es kaum mehr möglich, einen direkten Zeitrahmen abzustecken, da Ultimaten folgenlos verstrichen und Verhandlungsfortschritte ausblieben. "Somit können wir eine weitere Eskalation der Lage, zum Beispiel Kapitalverkehrskontrollen analog zu Zypern, nicht mehr ausschließen."

KONJUNKTURDATEN BLEIBEN WEGEN FED IM FOKUS - MITTWOCH IFO-INDEX

Abseits von Griechenland sollten die Anleger jedoch auch weiterhin die aktuellen Konjunkturdaten im Auge behalten. Schließlich steht immer noch die Frage im Raum, wann die Notenbank der USA (Fed) die lang erwartete Zinswende nach oben einläuten wird. Von Bedeutung seien die am Dienstag anstehenden US-Auftragseingänge langlebiger Güter für den Monat Mai, meinen die Commerzbank-Analysten. Sollten die Daten eine unerwartet deutliche Wirtschaftsbelebung andeuten, könnte die Fed den Leitzins eher früher als später wieder anheben.

Ebenfalls am Dienstag werden die wichtigen Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone erwartet, bevor am Mittwoch der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Die beiden Stimmungsbarometer beziehen sich jeweils auf den laufenden Monat Juni.

Auf Unternehmensseite stehen in der neuen Woche nicht viele Termine auf der Agenda. So veröffentlicht die im SDAX notierte Baumarktkette Hornbach (HORNBACH-Baumarkt-AG) am Freitag einen Zwischenbericht zum ersten Geschäftsquartal.

ZALANDO STEIGEN IN MDAX AUF

Ansonsten gibt es am Montag ein großes Stühlerücken bei den Nebenwerten. Insbesondere werden die erst im Oktober vergangenen Jahres an die Börse gekommenen Aktien des Mode-Versandhändlers Zalando in den MDAX aufrücken und dort die Papiere des Ingenieur-Dienstleister Bertrandt ersetzen. Bertrandt-Anteilsscheine kehren dafür in den SDax zurück.

Außerdem werden am Montag der Kabelfernsehanbieter Tele Columbus, der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KoenigBauer)und der Immobilienkonzern Adler Real Estate im SDax notiert sein. Verlassen müssen den Index der Oberflächenspezialist SURTECO, der Online-Reifenhändler Delticom und der Baukonzern Bauer. Im TecDAX nimmt zudem der Glasfaser-Spezialist Adva (ADVA Optical Networking SE) den Platz der Biotech-Beteiligungsgesellschaft BB Biotech ein.

Erst am Dienstag ersetzt der Kleinkredite-Anbieter Ferratum das Immobilienunternehmen Westgrund im SDax./la/gl/men

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

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