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08.05.2016 12:16:48

Millionenschwerer Apothekerbetrug mit "Luftrezepten" - Zeitung

   BERLIN (AFP)--Staatsanwaltschaften in mehreren Bundesländern ermitteln nach Informationen der "Welt am Sonntag" in millionenschweren Betrugsverfahren gegen Apotheker. Es gehe dabei um sogenannte "Luftrezepte", wie die Zeitung berichtete. Apotheker rechneten tausende Verschreibungen mit den gesetzlichen Krankenkassen ab, obwohl die verschriebenen Medikamente nie über ihre Ladentheken gegangen seien. Dabei hätten sie gemeinsame Sache mit Ärzten oder Patienten gemacht.

   Die Schadenssummen, die gesetzlichen Krankenkassen durch betrügerische Apotheker entstehen, sind dem Bericht zufolge teilweise deutlich höher als bei jeder anderen Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Allein die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) habe 2015 eine knappe halbe Million Euro von Pharmazeuten zurückgefordert und damit etwa doppelt soviel wie von den Pflegediensten.

   Gesundheitsökonomen halten die Dunkelziffer beim Abrechnungsbetrug für hoch, da das Entdeckungsrisiko außergewöhnlich niedrig sei. "Es gibt in diesen Konstellationen von krimineller Energie einzelner Personen üblicherweise nur wenige Mitwisser, und so lange diese zusammenhalten und sich nicht gegenseitig verpfeifen, gibt es kaum eine Chance, dass es auffliegt", sagte der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske.

   Die Organisation Transparency Deutschland schätzt den Schaden durch Betrug und Korruption mit Arzneimitteln auf insgesamt 680 Millionen bis 2,72 Milliarden Euro pro Jahr. Das wären zwei bis acht Prozent der knapp 35 Milliarden Euro Ausgaben der gesetzlichen Kassen im vergangenen Jahr für Arzneimittelverordnungen. Darin seien von Apothekern veruntreute Gelder ebenso enthalten wie Zuwendungen, die Ärzte für die umstrittenen Anwendungsbeobachtungen erhalten.

   Erst vor kurzem hatte ein Skandal um Abrechnungsbetrug bei Pflegediensten für Schlagzeilen gesorgt. Berichten zufolge haben russische Pflegedienste mit gefälschten Pflegeprotokollen nicht erbrachte Leistungen abgerechnet und damit einen Schaden von mindestens einer Milliarde Euro verursacht.

   DJG/AFP/hru

   (END) Dow Jones Newswires

   May 08, 2016 05:46 ET (09:46 GMT)- - 05 46 AM EDT 05-08-16

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