20.07.2022 10:31:40

MÄRKTE EUROPA/Konsolidierung - Nach der Rally ist vor EZB

FRANKFURT (Dow Jones)--Die europäischen Börsen sind nach einem freundlichen Start in den Mittwoch auf Konsolidierungskurs gegangen. Der kräftige Anstieg von fast 500 Punkten vom Tief zum Hoch am Vortag erfordere eine Atempause, heißt es im Handel. Fondsmanager müssten nach der Rally zunächst die Gewichtung ihrer einzelnen Aktienpositionen neu sortieren. Der DAX steigt ganz leicht auf 13.327 Punkte, der Euro-Stoxx-50 gewinnt ebenfalls 0,1 Prozent.

Generell zeigt sich aber Erleichterung über die vermutete Wiederaufnahme der russischen Gaslieferungen. Am Morgen hieß es vom Nordstream-Unternehmen, die Wartungsarbeiten verliefen soweit normal und ungestört. Ungeachtet dessen steigt aktuell der Gaspreis nach dem Rücksetzeram Vortag wieder um fast 4 Prozent.

CMC Markets bemerkt dennoch, die Situation sei "genauso verfahren" wie vor den Spekulationen. "Auch wenn der GAU vorerst ausbleiben dürfte, bedeutet das nicht, dass sich die deutsche Wirtschaft nun wieder auf dem aufsteigenden Ast befindet", sagt Analyst Jochen Stanzl. Die Liste an Unwägbarkeiten aus Energieabhängigkeit, zu hoher Inflation, einer Geldpolitik, der wegen der Fragmentierung in der Eurozone ein Stück weit die Hände gebunden seien und geopolitischen Krisen sei zu lang, um einen nachhaltigen Aufschwung zu ermöglichen.

Inflation auf extrem hohen Niveau rückläufig

Etwas in den Hintergrund treten zunächst Inflationssorgen. Die deutschen Erzeugerpreise sind im Juni um 32,7 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Damit setzte sich die Reihe rasanter Preissprünge jenseits der 30-Prozent-Marke zwar fort, zugleich war der Anstieg aber erstmals seit langem wieder niedriger als noch im Vormonat. Zudem hatten Ökonomen sogar mit 33,9 Prozent gerechnet. In Großbritannien legten die Verbraucherpreise mit 9,4 Prozent im Rahmen der Prognosen zu.

Bei der EZB-Sitzung am Donnerstag scheint dem Markt eine Erhöhung des Leitzinses um 25 oder um 50 Basispunkte mittlerweile fast egal zu sein. Laut Commerzbank werden aktuell 37 Basispunkte Erhöhung eingepreist. Mit einer Erhöhung um 0,25 Prozent würde der Einlagesatz für Banken weiter im negativen Bereich bleiben, was nicht wenige Marktteilnehmer wegen der viel zu hohen Inflation für unangemessen halten.

Weiter im Fokus ist Italien als möglicher Krisenherd. Mit Spannung warten Anleger auf die Ansprache des italienische Regierungschef Mario Draghis vor dem Parlament. Ein Rücktritt Draghis und damit ein Zusammenbruch der Regierungskoalition ist weiter nicht vom Tisch. Stratege Jim Reid von der Deutschen Bank bemerkt dazu, dass die EZB trotz der politisch instabilen Lage in Italien offenbar einen großen Zinsschritt von 50 Basispunkten in Erwägung ziehe, sei ein Indiz, dass sie die Märkte mit ihrem Antifragmentierungsinstrument gegen zu weit auseinanderlaufende Zinsdifferenzen in der Eurozone überzeugen kann.

Konjunkturwerte mit Gas im Fokus - Uniper weiter aufwärts

Angesichts der Entspannung der Gas-Liefersorgen werden vor allem konjunkturzyklische Aktien als Gewinner gesehen. Nach der Vortagsrally geben gleichwohl beispielsweise Chemiewerte nach (-0,1%). Hier drückt auch das Minus von Akzo Nobel, der Kurs verliert 2,5 Prozent. Bei dem Unternehmen machten sich höhere Kosten negativ in den Zweitquartalszahlen bemerkbar. Trotz besserer Umsatzzahlen lag der Gewinn unter der Markterwartung.

Uniper setzen die kräftige Erholung mit plus 5,5 Prozent fort. "Sollte das russische Gas wieder fließen und die Einkaufspreis zurückgehen, dürfte der Kurs weiter hohes Erholungspotenzial haben", so ein Marktteilnehmer. Dazu helfen Berichte über eine anstehende Sicherung der Liquidität durch den Staat den Kurs. Der Kurs der Mutter Fortum gewinnt 2,0 Prozent.

Technikaktien legen minimal zu (+0,1%). Hier werde die hohe Volatilität am Optionsmarkt seit Wochen von Hedgefonds genutzt, um billiger einsteigen zu können, heißt es.

Bremsend wirkt aber das Minus von 1,5 Prozent bei ASML. Der Zulieferer der Halbleiterindustrie hat den Umsatzausblick gesenkt. Allerdings sei das eher ein Timing-Problem, die Zahlen zum abgelaufenen Quartal seien sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Gewinnseite stark, und die Margenentwicklung entspreche den hohen Erwartungen, heißt es.

Für Antofagasta geht es an der Londoner Börse um 0,7 Prozent nach oben - trotz der Senkung der Produktionsziele für das laufende Jahr.

Kaum für Kursbewegung sorgen neue Zahlen des Autozulieferers Hella (-0,2%). Sie sind laut Citigroup etwas schwächer als erwartet ausgefallen. Sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn seien die Erwartungen verfehlt worden. Nach Einschätzung der Analysten unterstreicht die Margenentwicklung die Probleme der Autozulieferer. Der Kurs der Mutter Faureca gibt ebenfalls leicht nach.

Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD

Euro-Stoxx-50 3.590,69 +0,1% 3,25 -16,5%

Stoxx-50 3.565,15 +0,1% 3,06 -6,6%

DAX 13.326,84 +0,1% 18,43 -16,1%

MDAX 26.709,74 +0,7% 194,21 -24,0%

TecDAX 2.982,60 +0,3% 8,72 -23,9%

SDAX 12.473,74 +0,4% 47,47 -24,0%

FTSE 7.331,44 +0,5% 35,16 -2,2%

CAC 6.220,07 +0,3% 18,85 -13,0%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD

Dt. Zehnjahresrendite 1,24 -0,04 +1,42

US-Zehnjahresrendite 2,99 -0,04 +1,48

DEVISEN zuletzt +/- % Mi, 8:37 Di, 17:25 % YTD

EUR/USD 1,0234 +0,1% 1,0232 1,0239 -10,0%

EUR/JPY 141,36 +0,0% 141,26 141,10 +8,0%

EUR/CHF 0,9926 +0,2% 0,9920 0,9913 -4,3%

EUR/GBP 0,8525 +0,0% 0,8527 0,8515 +1,5%

USD/JPY 138,10 -0,1% 138,29 137,81 +20,0%

GBP/USD 1,2005 +0,0% 1,1998 1,2025 -11,3%

USD/CNH (Offshore) 6,7574 +0,2% 6,7565 6,7469 +6,3%

Bitcoin

BTC/USD 23.422,13 -1,0% 23.635,89 22.818,02 -49,3%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD

WTI/Nymex 102,40 104,22 -1,7% -1,82 +41,9%

Brent/ICE 105,80 107,35 -1,4% -1,55 +41,2%

GAS VT-Schluss +/- EUR

Dutch TTF 161,00 154,60 +4,2% 6,54 +41,5%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD

Gold (Spot) 1.707,93 1.711,75 -0,2% -3,82 -6,7%

Silber (Spot) 18,83 18,75 +0,4% +0,08 -19,2%

Platin (Spot) 882,55 878,00 +0,5% +4,55 -9,1%

Kupfer-Future 3,36 3,29 +2,1% +0,07 -24,4%

YTD zu Vortagsschluss

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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July 20, 2022 04:31 ET (08:31 GMT)

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