08.10.2015 17:12:41
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dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 08.10.2015 - 17.00 Uhr
Lagarde: Flüchtlingskrise und Wirtschaftsumbrüche gemeinsam lösen
LIMA - IWF-Chefin Christine Lagarde hat angesichts der Flüchtlingskrise und der Umbrüche in der Weltwirtschaft zu einem gemeinsamen Vorgehen der Staatengemeinschaft aufgerufen. "Kein Land kann allein gehen", sagte Lagarde am Donnerstag zum Auftakt der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der peruanischen Hauptstadt Lima. Internationale Kooperation sei sowohl in der Wirtschaftspolitik als auch in der Flüchtlingskrise sowie im Kampf gegen den Klimawandel erforderlich.
Ifo-Chef: Produktivitätsangleichung noch lange nicht in Sicht
DRESDEN - Zu hohe Löhne haben nach Ansicht von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn eine Angleichung der wirtschaftlichen Produktivität in alten und neuen Bundesländern verhindert. Auch um möglichen ausländischen Konkurrenten keine Wettbewerbsvorteile zu ermöglichen, hätten im wesentlichen westdeutsche Tarifpartner die Lohnentwicklung nach der Wende im Osten von der Produktivität abgekoppelt, sagte Sinn am Donnerstag bei einer Tagung seines Instituts zu 25 Jahren Deutsche Einheit in Dresden.
G20-Paket gegen Steuertricks: Union warnt vor Wettbewerbsverzerrung
LIMA/BERLIN - Im Kampf der Top-Wirtschaftsmächte gegen Steuertricks globaler Konzerne hat die Union vor einer Benachteiligung deutscher Unternehmen gewarnt. Die Umsetzung des Aktionsplanes dürfe nicht zu Wettbewerbsnachteilen für die deutsche Exportindustrie führen, warnten die finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Antje Tillmann, und Unionsexperte Mathias Middelberg am Donnerstag in Berlin.
Ökonomen: Verbraucher sichern Deutschland verhaltenen Aufschwung
BERLIN/WIESBADEN - Die Konsumlust der Verbraucher lässt den deutschen Konjunkturmotor nach Ansicht der führenden Ökonomen weiter brummen. Deutschland bleibe wirtschaftlich stark und könne auch die historische Flüchtlingskrise ohne neue Schulden stemmen, sagen die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem am Donnerstag vorgestellten Herbstgutachten voraus. Trotz der schwächelnden Weltkonjunktur werde Europas größte Volkswirtschaft 2015 und 2016 um jeweils 1,8 Prozent zulegen. Allerdings werde das Exportwachstum von dieser Durststrecke gebremst.
Bundesbankchef Weidmann gegen Verstärkung der EZB-Geldschwemme
BERLIN - Der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, hat sich abermals gegen weitere geldpolitische Lockerungen im Euroraum gewandt. "Mit Blick auf Europa sehe ich nicht, dass eine noch expansivere Geldpolitik die Wachstumskräfte dauerhaft stärken würde", sagte Weidmann im Interview mit der Zeitung "Die Welt" (Freitagausgabe). Stattdessen sei die Politik gefragt, wachstumsfördernde Reformen einzuleiten. Auch die niedrige Inflation sei kein Grund für eine verstärkte Geldschwemme, da sie vor allem auf die niedrigen Ölpreise zurückzuführen sei.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend stark gesunken
WASHINGTON - In den USA ist die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend stark gesunken. Die Zahl ging in der vergangenen Woche um 13 000 auf 263 000 zurück, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Bankvolkswirte hatten mit mit einem schwächeren Rückgang auf 274 000 Anträge gerechnet. Im aussagekräftigeren Vierwochenschnitt gingen die Erstanträge um 3000 auf 267 500 zurück.
Deutsche Exporte gehen stark zurück
Der deutsche Außenhandel hat im August einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Die Ausfuhren gingen zum Vormonat um 5,2 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit der schweren Rezession infolge der Finanzkrise im Jahr 2009. Der Rückgang fiel mehr als fünfmal so hoch aus wie der von Bankvolkswirten im Mittel erwartete Rückgang um 0,9 Prozent.
Zulieferer trotz VW-Skandals zuversichtlich
ZWICKAU/PLAUEN - Trotz des VW-Skandals (Volkswagen vz) sehen die Automobilzulieferer Deutschlands Ruf als Auto-Nation nicht beschädigt. "Die deutsche Ingenieurskunst steht nach wie vor für Zuverlässigkeit", sagte Helmut Becker vom Münchner Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation am Donnerstag beim 19. Internationalen Jahreskongress der Automobilindustrie in Zwickau. Dieser Nimbus lasse sich durch "eine solche Geschichte" nicht aus den Angeln heben, so der Ex-Chefvolkswirt von BMW. Rund 200 Teilnehmer verständigten sich zwei Tage lang in der westsächsischen Stadt über die Zukunft des Autos.
Britische Notenbank lässt Zinsen niedrig - geringe Inflation erwartet
LONDON - Die britische Notenbank rechnet mit einer anhaltend niedrigen Inflation und hält an ihrer lockeren Geldpolitik unverändert fest. Der Leitzins liege weiter bei 0,5 Prozent, teilte die Bank of England am Donnerstag in London mit. Auf diesem Niveau befindet er sich seit mehr als sechs Jahren. Das Volumen des Anleiheprogramms, das seit Herbst 2012 ausgeschöpft ist, wurde ebenfalls nicht verändert. Beides hatten Volkswirte vorab erwartet. Wie schon bei der vorangegangenen Sitzung im September wurde die Entscheidung mit einer Gegenstimme getroffen.
EZB will Anleihekäufe wegen Winterflaute vorziehen
FRANKFURT - Die Europäische Zentralbank (EZB) plant, einen Teil ihrer Wertpapierkäufe vor dem meist handelsschwachen Dezember vorzuziehen. Das habe EZB-Direktor Benoit Coeure während der jüngsten Zinssitzung Anfang September vor dem EZB-Rat angekündigt, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Sitzungsmitschrift. Demnach sollen Käufe verstärkt in den Monaten September bis November getätigt werden.
EZB bleibt laut Sitzungsprotokoll in Wartestellung
FRANKFURT - Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt bei einer möglichen zusätzlichen geldpolitischen Lockerung in Wartestellung. Die seit März laufenden Wertpapierkäufe sollen wie geplant bis mindestens September 2016 fortgeführt werden, wie es in der am Donnerstag veröffentlichten Mitschrift zur Zinssitzung von Anfang September heißt. Zugleich bekräftigte die Notenbank ihre Handlungsbereitschaft: Der EZB-Rat werde alle verfügbaren Instrumente einsetzen, falls dies notwendig werden solle. Dazu zähle auch eine Anpassung der Größe, der Zusammensetzung und der Dauer der Anleihekäufe.
Institute: Aufschwung bleibt - Flüchtlingskrise bezahlbar
BERLIN - Deutschland bleibt nach Ansicht der führenden Ökonomen wirtschaftlich stark und kann so auch die historische Flüchtlingskrise ohne neue Schulden stemmen. In ihrem am Donnerstag vorgestellten Herbstgutachten gehen die Institute davon aus, dass Europas größte Volkswirtschaft trotz der Durststrecke der Weltwirtschaft 2015 und 2016 um jeweils 1,8 Prozent zulegt. Das sei ein "verhaltener Aufschwung", der vor allem von den konsumfreudigen Verbrauchern getragen werde, die dank Rekordbeschäftigung, steigender Löhne und weniger Steuern viel Geld ausgeben, sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser in Berlin. 2014 war die deutsche Wirtschaft um 1,6 Prozent gewachsen.
Bank of England rechnet mit anhaltend niedriger Inflation
LONDON - Die britische Notenbank geht von einer anhaltend niedrigen Inflation aus. Der kurzfristige Inflationsausblick habe sich sogar etwas verschlechtert, heißt es in dem zeitgleich mit dem Zinsentscheid vom Donnerstag in London veröffentlichten Sitzungsprotokoll. Bis zum Frühjahr 2016 sei damit zu rechnen, dass die Inflation unter einem Prozent bleibt.
OECD: Frühindikator CLI fällt weiter
PARIS - Die Konjunkturaussichten im OECD-Raum trüben sich weiter ein. Der von der OECD erhobene Frühindikator CLI fiel im August zum dritten Mal in Folge. Er rangiert damit bei 99,9 Punkten, nach 100,0 Zählern im Vormonat. Der Indikator signalisiere gemäßigte Wachstumsaussichten in den meisten großen Volkswirtschaften, kommentierte die Organisation am Donnerstag.
Institute: VW-Skandal Risiko für deutsche Exporte
BERLIN - Der VW-Abgasskandal könnte nach Ansicht der führenden Wirtschaftsforscher die weltweiten Geschäfte der deutschen Exporteure eintrüben. Volkswagen (Volkswagen vz) sei ein enorm wichtiger Hersteller, der in Deutschland jährlich etwa eine Million Autos auf die Straße bringe und weltweit um die zehn Millionen Fahrzeuge. "Das sind gigantische Zahlen. Wenn es da Schwierigkeiten gibt, hat das Konsequenzen", sagte der Konjunkturchef des Berliner DIW-Instituts, Ferdinand Fichtner, am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Herbstgutachtens.
Experte: Hohe Flüchtlingszahlen sind 'kleines Konjunkturprogramm'
KÖLN/ESSEN - Die hohen Flüchtlingszahlen wirken nach Ansicht des Chefs des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, wie ein "kleines Konjunkturprogramm". "Denn der Staat pumpt jetzt viele Milliarden für die Versorgung der Flüchtlinge in die Wirtschaft", sagte Hüther der "Rheinischen Post" ("RP"/Donnerstag). "Diese Ausgaben versickern nicht im Ausland, sondern schaffen im Inland neues Geschäft und neue Arbeitsplätze", betonte der Chef des arbeitgebernahen Instituts.
Moody's wird optimistischer für die deutschen Banken
FRANKFURT - Moody's blickt wieder optimistischer auf die deutsche Bankenlandschaft. Die Ratingagentur hob am Donnerstag den Ausblick für das Bankensystem von negativ auf stabil an. Nach der Einführung eines Rahmenwerkes für die Bankenabwicklung sei die Unsicherheit in puncto staatlicher Unterstützung gewichen, begründete Moody's die positivere Einschätzung. Wegen der Regelungen habe Moody's die Annahmen für staatliche Hilfen bereits im Juni reduziert und dies bei den Bonitätsurteilen für deutsche Banken berücksichtigt.
Kambodscha erhöht Textil-Mindestlohn um knapp zehn Prozent
PHNOM PENH - Arbeiterinnen in Textil- und Schuhfabriken in Kambodscha verdienen künftig etwas mehr Geld. Der Mindestlohn steige von 128 auf 140 US-Dollar, teilte der Arbeitsminister des Landes am Donnerstag mit. Das sind umgerechnet 124 Euro im Monat. Die Gewerkschaften hatten 160 Dollar gefordert. "Mit Ansteigen der Löhne ist es wichtig, dass die Produktivität verbessert wird", hieß es in einer Stellungnahme der Internationalen Arbeitsorganisation.
Wirtschaftsinstitute erwarten 1,5 Millionen Flüchtlinge bis Ende 2016
BERLIN - Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten in diesem und im nächsten Jahr insgesamt 1,5 Millionen Asylsuchende in Deutschland. Bis Ende 2015 schätzen sie die Zahl der ankommenden Flüchtlinge auf 900 000, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Herbstgutachten der Top-Regierungsberater hervorgeht. Die Bundesregierung geht offiziell von 800 000 aus. Zur Jahreswende dürfte die Zuwanderung dann etwas abebben, weil weitere Länder als sichere Herkunftsstaaten eingestuft wurden und das Dubliner Verfahren wieder konsequenter angewandt werden könnte: "Gleichwohl nehmen die Institute an, dass es im Jahr 2016 noch zu 600 000 Zugängen kommt."
Parlament in Athen spricht Tsipras das Vertrauen aus
ATHEN - Gut zwei Wochen nach seinem Wahlsieg hat der griechische Regierungschef Alexis Tsipras am frühen Donnerstagmorgen erwartungsgemäß das Vertrauen des Parlaments in Athen bekommen. Alle 155 Abgeordneten der Links-Rechts-Koalitionsregierung von Tsipras Linkspartei Syriza und der rechtspopulistischen Partei der Unabhängigen Griechen (Anel) votierten in namentlicher Abstimmung mit "Ja". 144 Abgeordnete stimmten mit "Nein". Ein Abgeordneter war abwesend, teilte das Parlamentspräsidium nach einer dreitägigen Debatte mit. Damit wurde die absolute Mehrheit im Parlament mit 300 Sitzen erreicht und die Regierung Tsipras hat das Vertrauen des Parlamentes, hieß es.
Hillary Clinton lehnt TPP-Handelsabkommen ab
WASHINGTON - US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton lehnt das kürzlich vereinbarte Freihandelsabkommen TPP zwischen den USA und elf weiteren Staaten ab. "Beruhend auf meiner jetzigen Kenntnis kann ich dieses Abkommen nicht unterstützen", teilte Clinton mit. Handelsabkommen müssten "eindeutige Prüfungen" bestehen, ob sie zu mehr Jobs und höheren Löhnen führten. Das bis zu 40 Prozent der Weltwirtschaft umfassende Abkommen namens Trans Pacific Partnership habe die hohen Erwartungen nicht erfüllt, sagte Clinton.
USA: Verbraucherkredite steigen im August weniger deutlich als erwartet
WASHINGTON - In den USA ist das Volumen der Verbraucherkredite im August weniger deutlich als von Experten erwartet gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat habe die Kreditvergabe um 16,0 Milliarden US-Dollar zugelegt, teilte die US-Notenbank am Mittwoch in Washington mit. Volkswirte hatten im Schnitt mit plus 19,5 Milliarden Dollar gerechnet. Im Vormonat war das Kreditvolumen um revidierte 18,9 (zunächst 19,1) Milliarden Dollar gestiegen.
Weltbank: Migrationsbewegungen halten für Jahrzehnte an
WASHINGTON/LIMA - Die Wanderungsbewegung von Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten in wohlhabendere Weltregionen wird nach Meinung der Weltbank in den nächsten Jahrzehnten nicht abreißen. Gleichzeitig geht die Alterung der Weltbevölkerung weiter, der Zuwachs wird geringer und die Zahl der Kinder stagniert. "Wenn man es politisch richtig macht, kann diese Ära des demografischen Wandels ein Motor des wirtschaftlichen Wachstums sein", sagte der Präsident der Weltbank-Gruppe, Jim Yong Kim am Mittwoch in Lima. In der peruanischen Hauptstadt halten Weltbank und Internationaler Währungsfonds vom 9. Oktober an ihre gemeinsame Jahrestagung ab.
Sinn fordert harte Reformen für Flüchtlinge
MÜNCHEN - Die Flüchtlingskrise ist nach Ansicht von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn nur mit radikalen Sozialreformen in Deutschland zu bewältigen. Um genügend Jobs für gering qualifizierte Flüchtlinge zu schaffen, sollte der Mindestlohn abgeschafft werden, sagte Sinn der Wochenzeitung "Die Zeit". Denn wenn die Zuwanderer "keine Stellen kriegen, werden sie nicht integriert, und dann werden wir erhebliche Spannungen in der Gesellschaft bekommen", sagte der Leiter des ifo-Instituts in München. Die Deutschen sollten zudem länger arbeiten, um die Kosten der Integration stemmen zu können: "Wir sollten lieber das Rentenalter heraufsetzen, um die Flüchtlinge zu ernähren. Die Alten werden im Übrigen gebraucht, um die Flüchtlinge anzulernen", sagte Sinn.
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